Uwe Pfeifer – „Hallesche Köpfe und mehr“

Malerei und Grafik | Personalausstellung im Vorfeld zum 80. Geburtstag

Laufzeit: 24. Oktober bis 24. Dezember 2026

Vernissage: Samstag, 24. Oktober 2026, um 15:00 Uhr

Ort: Galerie Zaglmaier, Halle (Saale)

Über die Ausstellung

Vom 24. Oktober bis zum 24. Dezember 2026 lädt die Galerie Zaglmaier zu einer besonderen Personalausstellung ein: Im Vorfeld seines 80. Geburtstags (am 14. Februar 2027) präsentiert der renommierte hallesche Künstler Uwe Pfeifer eine vielschichtige Auswahl seiner Malerei und Grafik.

Im Zentrum der Schau stehen die „Halleschen Köpfe“ – charakterstarke Porträts von Familienmitgliedern, engen Freunden, Weggefährten sowie bedeutenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Unter den Porträtierten befinden sich unter anderem:

  • Gerhardt Günther – Der legendäre Meisterdrucker der Kunsthochschule Burg Giebichenstein
  • Hans-Dietrich Genscher – Prägender deutscher Politiker und Ehrenbürger der Stadt Halle
  • Eva Mahn – Fotokünstlerin und Hochschullehrerin
  • U. Bewersdorf – Universitätszeichenlehrer
  • B. Hofestedt – Schulfreund
  • H. Materna – Kunstfreund
  • Prof. Diepenbrock – 261. Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • R. T. Speler – Langjähriger Kustos der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Neben den eindrucksvollen Bildnissen zeigt die Ausstellung auch den „… und mehr“-Teil von Pfeifers Schaffen: Ausgewählte Gemälde und Druckgrafiken widmen sich stimmungsvollen Architektur- und Stadtmotiven aus Halle, Impressionen aus Venedig sowie facettenreichen Landschaften.

Über den Künstler

Uwe Pfeifer legte sein Abitur in Halle ab und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Gebrauchswerber, bevor er von 1968 bis 1973 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig bei Meistern wie Werner Tübke, Hans Mayer-Foreyt und Wolfgang Mattheuer studierte. Die Auseinandersetzung mit Architektur in seinem Werk wurde maßgeblich durch das Schaffen Karl Völkers angeregt.

Seit 1973 arbeitet Pfeifer freischaffend in Halle (Saale). Neben seiner eigenen künstlerischen Praxis gab er ab 1975 als Lehrbeauftragter für Lithografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein sein Wissen weiter. Von 1978 bis 1991 betrieb er gemeinsam mit Otto Möhwald, Gerd Weickardt und Fotis Zaprasis eine eigene Druckwerkstatt, die sich zu einem zentralen Treffpunkt des künstlerischen Austauschs entwickelte.

Inspiration sammelte Pfeifer unter anderem auf Studienreisen in die Mongolei (1976/1978). Seine Arbeiten erfuhren früh internationale Anerkennung: Er war von 1977 bis 1988 auf den VIII. bis X. Kunstausstellungen der DDR in Dresden vertreten und wurde 1982 sowie 1988 zur weltberühmten Biennale di Venezia eingeladen.

Begleitveranstaltungen

Besuchen Sie unsere Sonderveranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:

  • Samstag, 28. November 2026, 15:00 Uhr (Langer Abend der Galerien)„MORGEN KINDER WIRDS NICHTS GEBEN, awwer e Boom muß sinn“Humorvolle Geschichten aus eigener Feder in hallischer Mundart, vorgetragen von Bettina Schirmer.
  • Samstag, 5. Dezember 2026, 15:00 UhrBuchvorstellung zu „Schwund“Präsentation des Buches mit Texten von Jürgen Jankofsky und Illustrationen von Uwe Pfeifer.
  • Samstag, 19. Dezember 2026, 15:00 UhrLesung mit Detlef FärberDer Autor liest aus seinem Gedichtband „Ein weitgereister Gast trinkt langsam aus“.

Besucherinformationen

  • Ausstellungsdauer: 24. Oktober – 24. Dezember 2026
  • Eröffnung: Samstag, 24. Oktober 2026, 15:00 Uhr
  • Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 13:30 bis 18:30 Uhr
  • Veranstaltungsort: Galerie Zaglmaier, Große Steinstraße 57, 06108 Halle (Saale)

Eröffnungsrede: Uwe Pfeifer – Malerei und Grafik

Der junge Maler und Grafiker aus Halle, Uwe Pfeifer, wie ihn Dr. Heinz Schönemann gerne nennt, wird im Februar 80 Jahre alt. Er gilt als einer der prägendsten Vertreter der Leipziger Schule und des veristischen Realismus. Wir denken an seine Halle-Neustadt-Bilder oder seine Tagträume, die in die Kunstgeschichte eingehen.

Eigentlich wollte Uwe Pfeifer immer Indianer werden. Jedoch schon früh in seiner künstlerischen Laufbahn – insbesondere in den 1970er-Jahren nach seinem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig bei Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke – wurde er als kraftvoller, junger Vertreter einer neuen Malergeneration wahrgenommen. Pfeifer hielt die architektonischen und gesellschaftlichen Veränderungen Halles eindrucksvoll fest – von den historischen Altstadtgassen bis hin zu den urbanen Großstrukturen wie Halle-Neustadt. Seine Arbeiten stellen oft die Verfremdung, Isolation, aber auch die unaufgeregte Alltagswirklichkeit des Einzelnen in der modernen Umwelt in den Mittelpunkt. Seine Werke zeichnen sich durch meisterliche Präzision, grafische Schärfe und einen unverwechselbaren, oft kühlen Symbolismus aus.

Neben den Landschaften und Stadtansichten nehmen die Porträts und Köpfe in Uwe Pfeifers Schaffen eine zentrale Rolle ein. Seine Darstellungen von Weggefährten, Hallensern und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens fangen den Charakter und Zeitgeist der Region auf einzigartige Weise ein.

Die gemeinsame Geschichte des Malers sowie Grafikers Uwe Pfeifer und der Galerie Dr. Stelzer und Zaglmaier begann im Jahr 2001 mit einem symbolträchtigen Auftakt: Seine Personalausstellung unter dem Titel „Durchbruch“ markierte den Beginn unserer regelmäßigen Ausstellungstätigkeit. Seit diesem wegweisenden Start ist die Verbindung zu Uwe Pfeifer stetig gewachsen und fest in unserem Galerieprogramm verankert.

Neben den jährlichen Kabinettausstellungen, die stets neue Einblicke in sein zeichnerisches und grafisches Schaffen gewähren, würdigen wir sein Werk regelmäßig mit umfassenden Personalausstellungen zu seinen runden Jubiläen. Uwe Pfeifer ist nicht nur als Künstler eine prägende Persönlichkeit, sondern auch als Mensch und treuer Wegbegleiter nah mit der Halleschen Kunst- und Kulturlandschaft verbunden.

Foto der Vernissage von Eva Knöchel

Das gesellschaftliche und freundschaftliche Miteinander hat für ihn einen hohen Stellenwert. Davon zeugen die regelmäßigen Treffen in geselliger Skat-Runde mit Freunden und Kollegen sowie die traditionellen, jährlichen Brockenwanderungen. Eine besondere Tradition verbindet ihn und seinen Freundeskreis auf dem Halleschen Domplatz zum jährlichen Gedenktreffen für den verstorbenen Bildhauer Horst Brühmann. Uwe Pfeifer ist ein häufiger und geschätzter Gast – sowohl in den Räumen unserer Galerie als auch im gesamten kulturellen Leben der Stadt und Region. Ein tiefes Verständnis für Wort und Geist zeichnet sein Leben und Werk aus. Als ausgesprochener Freund der Literatur und Poesie steht sein Bildschaffen immer wieder im Dialog mit literarischen Motiven und gedanklicher Tiefe.

Hallesche Köpfe

Das Porträt gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der bildenden Kunst. Es erfordert weit mehr als technische Präzision – ein treffendes Bildnis verlangt Empathie und den geschulten Blick für das Wesentliche. Die Porträtzeichnungen von Uwe Pfeifer zeigen meisterhaft, wie vielschichtig dieses Genre sein kann. Sie sind eindrucksvolle Charakterstudien und zugleich persönliche Zeugnisse enger Weggefährtenschaft.

Wenn ein Künstler die eigenen Eltern porträtiert, entsteht eine intime Begegnung mit den eigenen Wurzeln. In der Zeichnung „Meine Eltern“ (1987) blickt das Paar im prägnanten Doppelprofil in die Ferne – unverkennbar, voller Würde und Ehrlichkeit. Der Kontrast zwischen den fein ausgearbeiteten Gesichtern und dem leeren Hintergrund rückt die beiden zeitlos ins Zentrum. Diese einfühlsame Auseinandersetzung prägt auch Pfeifers Bildnisse von Giesela, Tobias, Kathy, Amelie und Josephine.

Einen besonderen Stellenwert nimmt die farbige Porträtzeichnung von Hans-Dietrich Genscher aus dem Jahr 1994 ein – eine Vorarbeit für das großformatige Gemälde im Berliner Abgeordnetenhaus. Pfeifer zeigt den Politiker entspannt in Drei-Viertel-Ansicht. Die präzisen Schraffuren erfassen jede physiognomische Nuance, während der berühmte gelbe Pullover unter dem Sakko als einziger Farbakzent den monochromen Raum aufbricht. So wird die politische Ikone nahbar und menschlich.

Das Porträt von Prof. W. Diepenbrock (2003), dem einstigen Rektor der Universität Halle-Wittenberg, zeigt ihn in voller akademischer Würde mit Amtskette – und doch keineswegs steif, sondern mit freundlichem, zugewandtem Blick. Die sichtbar gelassene Rasterstruktur erlaubt uns zudem einen faszinierenden Einblick in den konstruktiven Entstehungsprozess des Werkes.

Ebenfalls in prägnanter Haltung erleben wir den ehemaligen Kustos unserer Universität, Kunsthistoriker Ralf-Torsten Speler im Anzug mit seiner charakteristischen Fliege. Wir erinnern uns gerne an die zahlreichen Eröffnungsreden zu unseren Ausstellungen, so auch zur Ausstellung anlässlich des 60. Geburtstages von Uwe Pfeifer im Galeriegarten.

Besonders vertraut wirkt das Bildnis von Gerhardt Günther. Als Meisterdrucker an der Burg Giebichenstein war er Pfeifer über Jahre hinweg enger Freund und Begleiter an Stein und Presse. Der wache Blick und der legere Strickpullover erfassen ihn mitten im Moment des Denkens und Sprechens.

Eine fast meditative Ruhe strahlt das Porträt des Chemikers, Denkmalpflegers (somit Kollege des ebenfalls hier abgebildeten Andreas Huth) und Kunstfreundes Helmut Materna aus, gezeichnet im August 1989. Mit feinem Strich verleiht Pfeifer ihm einen gefassten, tief nachdenklichen Ausdruck. Aus demselben Schicksalsjahr stammt die Zeichnung von Bernd Hofestedt („Hoppensack“). Als Schulfreund, Mathematiker und Genealoge blickt er uns mit verschränkten Armen und wachem Geist selbstbewusst entgegen – ein Porträt gelebter Freundschaft.

Was diese Arbeiten vereint, ist Uwe Pfeifers tiefes Interesse am Gegenüber. Ob im offiziellen Ornat oder im privaten Kreis: Er begegnet seinen Modellen stets auf Augenhöhe, ohne Pose oder Verklärung. Seine Zeichnungen sind meisterhafte Charakterstudien und zugleich lebendige Zeugnisse hallescher Kultur- und Geistesgeschichte. Es sind gültige Kunstwerke, die häufig auch Vorarbeit für das malerische Werk darstellten. Die hier ausgestellten großformatigen Porträtgemälde Dr. Eva Mahn, Ingrid B., Dorothea K., Ullrich Bewersdorff sind repräsentative Beispiele dafür.

… und mehr

Im Kabinett begeben wir uns erneut auf eine faszinierende Reise durch Räume, Zeiten und innere Welten. Ein Blick zurück offenbart dabei eine beeindruckende künstlerische Kontinuität: Bereits das Gemälde „Giebichensteinbrücke“ aus dem Jahr 1971 – entstanden während seiner Studienzeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig – lässt jene präzise Beobachtungsgabe und den Sinn für kompositorische Schärfe erkennen, die sein Schaffen bis heute auszeichnen.

Diese Schärfe im Blick prägt ganz besonders seine Halle-Bilder. Halle ist für Uwe Pfeifer nie bloße Kulisse, sondern lebendiger Resonanzraum. Seine Stadtlandschaften und Porträts fangen den eigentümlichen Rhythmus, die Stimmung und die Menschen dieser Stadt mit unbestechlicher psychologischer Tiefe ein. Im Kontrast dazu stehen seine weiträumigen Landschaften, in denen sich die Stille und die Weite der Natur in all ihrer atmosphärischen Verdichtung entfalten.

Doch Uwe Pfeifers Blick bleibt nicht an den Grenzen des Vertrauten haften. In seinen Venedig-Bildern spürt er der magischen, oft melancholischen Faszination der Lagunenstadt nach – fernab touristischer Klischees, getragen von einem feinen Gespür für Licht und Architektur. Und noch weiter führt uns sein grafisches Werk: Seine Lithografien zum Thema Mongolei zeugen von einer tiefen Begegnung mit einer fremden Kultur und Landschaft, übersetzt in meisterhafte, prägnante Druckgrafik.

Von den Anfängen an der Saale über die Halleschen Ansichten bis hin zu den Fernweh-Motiven in Italien und der asiatischen Steppe – überall zeigt sich ein Künstler, der das Reale verdichtet und uns das Sehen neu lehrt.

Neben seiner eigenen künstlerischen Praxis gab Uwe Pfeifer sein herausragendes handwerkliches und gestalterisches Können auch an die nächste Generation weiter: Ab 1975 vermittelte er als Lehrbeauftragter für Lithografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein über Jahrzehnte hinweg die feinen Nuancen und die handwerkliche Präzision dieser anspruchsvollen Drucktechnik.

Die heute zu eröffnende Ausstellung präsentiert wie in jedem Jahr im Kabinett auch Arbeiten des grafischen Werkes von Uwe Pfeifer.

In seinen aktuellen Lithografien „Am Schaufenster“ und „Dazwischen!?“ greift Uwe Pfeifer erneut drängende Fragen unserer Gegenwart auf. Mit scharfer Beobachtungsgabe konfrontiert er die glatte Ästhetik der Werbewelt mit den Schattenseiten des städtischen Alltags. Überlebensgroße Konsum-Chiffren treffen auf Menschen am Rande der Gesellschaft – auf Passanten, die zwischen Werbesäulen stranden oder im Müll suchen. Durch die meisterhafte Verdichtung in der Lithografie werden seine Blätter zu eindringlichen Mahnmalen gegen das Wegsehen und fragen nach dem Wert des Menschen im öffentlichen Raum.

Uwe Pfeifer formulierte zu seiner Ausstellung „Durchbruch“ 2001 hier im Haus:

„Bilder entstehen, wenn die Seele schwingt, und sie schwingt auch bei unbequemen Wahrheiten. In der Kunstlandschaft tummelt sich heute leider allzu viel Kopfgesteuertes im wortwörtlich armseligen Gewand. Weil aber unsere Seelen mittels der Bilder in Korrespondenz treten können, wird die Malerei einen wesentlichen Platz im breiten Kunstspektrum der Welt behalten. Wenn wir daran zweifeln, dann fragen wir doch die Kinder. Die werden die Frage nicht verstehen und weiter malen, und das ist dann auch die Antwort.“

Und mit einem Satz von Dr. Heinz Schönemann, mit dem er eine seiner zahlreichen Reden für Uwe Pfeifer und andere Künstler hier in der Galerie beendete, möchte ich auch für heute schließen:

„‚Einer flog über das Kuckucksnest‘ von Miloš Forman. Es endet tragisch. Aber der alte Indianer, der auch dort mit seinem Besen eingesperrt war und von dem es hieß, der ist nun so blöd, dass er nichts mehr redet, nichts mehr denkt, nichts mehr empfindet. Der alte Indianer wusste, wie man die Panzerglasscheibe des Gefängnisses kaputt haut und ging weg, stieg aus, ging weg, wieder in seine Berge. Vielleicht in die blauen Berge des Frühwerks von Uwe. Vielleicht.“

Thomas Zaglmaier

Halle (Saale), 24.10.2026